Schüler der Berufsfachschule engagieren sich für fairen Handel

„Das ist aber teuer, einen Euro für einen Schoko-Riegel!“ Sie haben sich auf diese Reaktion „ihrer“ Kunden vorbereitet. Sie, das sind Sinem, Katharina, Seniye und Ceyda, verhalten sich gelassen und besonnen. „Das ist eine „faire“ Schokolade, d. h. die Bauern erhalten für die geernteten Kakaobohnen einen gerechten Lohn, so dass sie und ihre Familien davon leben können. Vor allem können ihre Kinder zur Schule gehen und müssen die harte Arbeit auf der Plantage nicht mehr leisten.
 

Neben den vier Schülerinnen bieten seit Ende Februar 2017 auch vier Schüler, Phillip, Dominik, Björn und Jannis, Produkte des Weltladens Schwäbisch Gmünd in der Kaufmännischen Schule an, und das jeden Mittwoch in der großen Pause. Sie „opfern“ also ihre freie Zeit, um fair gehandelte Produkte zu verkaufen. Sie nutzen damit auch die Möglichkeit, um darauf hinzuweisen, wie notwendig es ist, sich über das Kaufverhalten Gedanken zu machen. Sie wollen bewusst machen, dass es nicht schmerzt, wenn man zwanzig, dreißig Cent oder auch einen Euro mehr bezahlt, dieses Geld allerdings hilft, dass Bauern davon leben können.
 
Die acht Schülerinnen und Schüler kommen aus der Klasse 2BFW2, also der Wirtschaftsschule. Sie machen im Mai und Juni ihren Abschluss und werden dann mit der Fachschulreife (entspricht der Mittleren Reife) entweder in eine Ausbildung oder eine weiterführende Schule wechseln. Das Weltladen-Projekt ist Teil ihrer Projektprüfung. Es ist eingebettet in die betriebswirtschaftlichen Bereiche Existenzgründung und Absatz und in die wirtschaftspolitischen Bereiche Globalisierung und Nachhaltigkeit. Das bedeutet konkret, sie setzen das praktisch um, was sie theoretisch gelernt haben. Betreuender Lehrer ist Rudi Lachenmaier.
 
Beide Schülergruppen holen die Ware im Weltladen Schwäbisch Gmünd ab, erhalten dafür einen Lieferschein. Die Bezahlung der Ware erfolgt erst, wenn sie die Waren verkauft haben. Der Weltladen gibt auf die Waren einen Rabatt von zehn Prozent. Diesen Rabatt könnte man als ihren Gewinn betrachten, sie spenden ihn allerdings an eine gemeinnützige Organisation. Die Schüler müssen die Lagerhaltung genauestens überwachen, fehlende Waren wieder auffüllen, um eine ausreichende Menge anbieten zu können. Darüber hinaus müssen sie überlegen, das Sortiment zu erweitern oder das Sortiment einzuschränken. Sie reagieren damit auf Kundenwünsche. So werden Reis-Pops sehr gut verkauft, was sie anfangs nicht annahmen.
 
Die Gruppe der Jungen bietet Kaffee, Tee und Trockenfrüchte an. Dieser Verkaufsstand tut sich etwas schwerer, weil dort Produkte verkauft werden, die nicht die Zielgruppe Schüler anspricht. Allerdings gibt es auch Lehrer, die Kunden sind. Diese Gruppe muss sich dennoch überlegen, ob sie ihr Sortiment ergänzt, um auch Schüler anzusprechen. Ob es ihnen gelingt, dass Schüler für ihr Elternhaus Kaffee kaufen, bleibt abzuwarten. Werbung dafür ist alles. Wie leicht hört es sich im Unterricht an, wie schwer ist es, dies praktisch umzusetzen. Kleine Werbeplakate, im Schulhaus verteilt, sind dazu ein erster Schritt. Schwellenangst mussten insbesondere die Schülerinnen überwinden, als sie von Klasse zu Klasse gingen und ihr Projekt vorstellten und zum Kauf animierten. Dominik warb für den Verkauf über die Schulsprechanlage, das fiel ihm anfangs schwer. Auch die Kasse, d. h. die Einnahmen, muss kontrolliert werden. Die beiden Schülergruppen tragen die Verantwortung dafür, dass der Kassenstand immer stimmt. Die Einnahmen müssen vor allem ausreichen, um die gelieferten Waren bezahlen zu können.
 
„Ich hole heute die Waren im Weltladen ab. Ich brauche dazu die große Einkaufstasche aus unserem Verkaufsschrank.“ Oder: „Wir müssen heute weitere Artikel-Karten für die Lagerhaltung ausdrucken.“ „Wir möchten vor Ostern eine besondere Osteraktion starten.“ Und dieser Vorschlag kommt von drei muslimischen Schülerinnen und ihrer Mitschülerin Katharina. Also werden Schoko-Hasen, selbstverständlich auch fair gehandelt vom Weltladen verkauft.  Selbstständigkeit und Verantwortung zu tragen ist über die kaufmännische Sache hinaus wichtiger Teil des Projekts. Die Jungs stehen den Mädels nicht nach: Direkt vor den Osterferien backt Phillip mit seiner Mutter drei Stunden lang Osterhasen aus Hefeteig, garantiert ohne Zucker, aber mit viel Honig. Sie werben für den Verkauf, ein Euro pro Stück. Diese Einnahmen sind ihr Umsatz, den sie allerdings spenden wollen. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass es gelingt. Niemand nimmt sich raus. Dies ist auch beim Verkauf zu sehen. Bei der Abrechnung ist Arbeitsteilung Selbstverständlichkeit.
 
Was im Unterricht keinen oder nur wenig Spaß macht, hier ist es nicht zu erkennen. „Es macht Spaß“, so die einhellige Meinung. „Fair-Trade“ ist kein Fremdwort mehr. Und wenn es dann noch Freude macht, beim Tun etwas Sinnvolles zu erreichen: Was will man mehr. Der Umsatz, den die beiden Projektgruppen machen, macht deutlich: Auch die Käufer, Schülerinnen und Schüler der kaufmännischen Schule, konnten überzeugt werden.